Keçên Rojê
Töchter der Sonne
Geflüchtete ezidische Frauen erzählen

Terrorprozess endet für Sklavenhalter mit lebenslanger Haft

Weltweit die ersten Urteile gegen Anhänger des IS wegen der Versklavung von ÊzîdInnen sind in Frankfurt und München gefällt worden! Umfangreiche Recherchen von Ermittlern und das Weltrechtsprinzip machten die Verurteilungen möglich. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat den 29 jährigen Taha al-J. zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Seine Frau war zuvor bereits von dem OLG München zu 10 Jahren Haft verurteilt worden. Sie hat Beihilfe zum Mord geleistet, weil sie ohne zu helfen, bei der Tat zugesehen hat. 

Die Mutter war mit ihrer kleinen Tochter 2014 wie ungefähr 5000 andere Frauen und Kinder in der Region Shingal im Nord-Irak vom IS entführt und als Haussklavin verkauft worden. Ihre kleine Tochter starb in der Folge von Folter. Der Urteilsspruch wurde mit Völkermord sowie Kriegsverbrechen und Körperverletzung mit Todesfolge begründet. Für die Minderheit der Êzîden ist es von besonderer Bedeutung, dass das OLG festgestellt hat, dass der Angeklagte mit Zerstörungsabsicht gegen die Glaubensgemeinschaft der Êzîden gehandelt hat.  

"Die Gerichte rücken damit auch die universellen Werte wieder zurecht, die das Terrorsystem des IS für Jahre außer Kraft gesetzt hatte: Sklaverei ist ein Verbrechen, Menschen sind kein Freiwild, nur weil sie einen anderen Glauben haben. Und es eben kein Unfall, wenn man ein Kind bei 45° in der Sonne anbindet, sondern ein Verbrechen." (Ausschnitt aus einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung vom 1.11.2021 von der Journalistin Annette Ramelsberger).